“Über 5.000 Prägewerkzeuge, 2.000 Artikel allein für Sargdekoration — und das Unternehmen existiert noch heute.”
Gustav Emil Kunze und die Erzgebirgische Prägekunst
Das Annaberger Erzgebirge galt im späten 19. Jahrhundert als Welthauptstadt der Kartonagenpräge-Industrie. Inmitten dieses lebendigen Gewerbezweiges gründete Gustav Emil Kunze 1872 sein Unternehmen. Nach seinem Tod 1888 übernahm sein Sohn Albert Emil Kunze die Leitung und trieb die Expansion konsequent voran: 1896 erwarb er die Sehmaer Papierfabrik, um die eigene Rohstoffversorgung von jährlich 50.000 Zentnern Pappe sicherzustellen.
Weipert als zweites Zentrum
1905 eröffnete Kunze eine Zweigstelle in Weipert an der Armenhausgasse — ein imposanter Fabrikbau, der 1913 nochmals erheblich erweitert wurde. In Spitzenzeiten beschäftigte das Weiperter Werk rund 800 Arbeiter, die mehr als 5.000 Prägewerkzeuge bedienten. Allein der Sargdekorations-Katalog von 1922 umfasste 2.000 Artikel. Im Ersten Weltkrieg stellte das Werk zeitweise auf die Fertigung von Papiergarn für Sandsäcke um.
Vom Kriegsende bis in die Gegenwart
Der Zweite Weltkrieg unterbrach das Exportgeschäft schwerwiegend; 1939 erzielte das Unternehmen noch seinen höchsten Umsatz. Die Annaberger Zentrale wurde 1945 zerstört, 1953 wieder aufgebaut und anschließend verstaatlicht. Das Weiperter Gebäude von 1913 steht noch heute und beherbergt nun die Fertigung von Elektroschaltanlagen. Die Unternehmerfamilie Kunze verlegte den Betrieb 1954 nach Amberg in Bayern, wo das Unternehmen in fünfter Generation weitergeführt wird — heute mit Engelsschwingen statt Krippenerzeugnissen.

