
Die Weiperter Gloriette
Ein verlorenes Kleinod auf Pohls Höhe
- Lage
- Pohls Höhe, Weipert
- Heute
- Schwabkreuz-Standort
- Friedrich Heckl
- 15. Juni 1880
- Notizbücher übergeben
- November 2017
Eine Gloriette ist ein erhöht gelegener, offener Pavillon in einem Garten oder Park — ein Aussichtsplatz, der zum Verweilen und Schauen einlädt. Weipert besaß einst eine solche Anlage auf Pohls Höhe, in etwa dort, wo heute das Schwabkreuz steht. Historische Ansichtskarten zeigen das lichte, offene Bauwerk, das den Blick über die gesamte Stadt und weit ins Erzgebirge freigab.

Dekorative Ansichtskarte — Gruss aus Weipert, Erzgebirge
Friedrich Heckl · geb. 15. Juni 1880 in Weipert
In seinen Aufzeichnungen beschrieb Heckl eindrucksvoll, was von der Gloriette aus zu sehen war — als Sohn des gleichnamigen Gründers der Weiperter Bürgerschule, aufgewachsen mit dem Blick über die Stadt und die waldigen Höhen des Erzgebirges. Die 1938 in Kurrentschrift verfassten Manuskripte fassen diesen Ausblick in Worte, die heute kaum einer noch zu lesen vermag.
Dort, wo heute längst eine neue Straße die Höhe überkreuzt und nun die kürzeste Verbindung von der Stadt zum neuen Friedhof herstellt, waren damals noch allüberall Felder, Äcker und Wiesen und auf dem höchsten Punkte, dieser einstigen Pohlshöhe, stand diese offene Gloriette, von der aus wir Kinder einen großen Teil unserer engeren Heimat überschauten. Wir kannten sie alle, diese waldigen Höhen des Keil- und Fichtelberges, die beiden gewaltigen Marksteine diesseits und jenseits der Grenze, den Scheibenberg, die Heimat des Räuberhauptmann Stülpner, den Bärenstein, an dessen Fuß unser nächster Grenzort liegt, den Pöhlberg, der an seiner Seite die beiden Schwesterstädte Annaberg und Buchholz trug und auf der anderen Seite seinen Fuß bis ins Königswälder Tal hinunterstreckte, den Haßberg bei Christofhammer, die drei Spitzberge bei Schmiedeberg, die Königin bei Pleil und den faltigen Hohenstein bei Neugeschrei.
Friedrich Heckl — Aufzeichnungen, 1938

Johann Schreiber und Anneliese Kult, November 2017
Die Notizbücher
Anneliese Kult und das Erbe ihres Vaters
Friedrich Heckls Tochter Anneliese Kult, geboren am 1. Dezember 1921 im Café Weiss in Weipert, nimmt bis heute an den Heimattreffen in Amorbach teil. Im November 2017 übergab sie beim Lichtlohmd drei handgeschriebene Notizbücher mit den Weipert-Erinnerungen ihres Vaters — vollgeschrieben mit allem, was er über das geliebte Weipert zu sagen hatte.
Die in Kurrentschrift von 1938 verfassten Manuskripte werden seitdem durch Johann Schreiber aus Neugeschrei in lateinische Schrift übertragen — eine geduldige Arbeit, mit dem Ziel, weitere Auszüge zu veröffentlichen und dem Vergessen zu entreißen.
Keilberg, Fichtelberg, Scheibenberg, Bärenstein, Pöhlberg und Hohenstein — all das war von der Gloriette aus mit einem Blick zu erfassen. Heute steht dort das Schwabkreuz.
Bildmaterial
3 Aufnahmen
