“Fast achtzig Jahre lang drehte sie die Lokomotiven des Grenzbahnhofs — dann wurde die Drehscheibe dem Vergessen überlassen.”
Eine moderne Anlage für den Grenzbahnhof
Im Jahr 1926 errichtete die Deutsche Reichsbahn am Bahnhof Weipert eine 19,5 Meter lange Drehscheibe mit elektrischem Antrieb — eine zeitgemäße Anlage, die das manuelle Wenden der schwerer werdenden Dampflokomotiven ablöste. Die Grenzlage des Bahnhofs machte die Drehscheibe zu einem wichtigen Bestandteil des grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehrs: Deutsche und tschechoslowakische Lokomotiven nutzten die Anlage gemeinsam.
Stille nach dem Dampf
Nach 1945 übernahm die tschechoslowakische Staatsbahn ČSD den gesamten Betrieb. Die Drehscheibe diente nun ausschließlich tschechischen Lokomotiven. Mit dem Ende des planmäßigen Dampfbetriebs im Jahr 1967 stellte die Anlage den regelmäßigen Betrieb ein. Jahrzehntelang stand sie im Freien, dem Wetter ausgesetzt. Im Winter 2005/2006 brach das schützende Dach unter der Schneelast ein und ließ die Anlage dem fortschreitenden Verfall preis.
Was gerettet werden konnte
Am 5. Februar 2018 begann der Abriss. Mitgliedern der Denkmalpflege gelang es in letzter Minute, zwei Radsatzpaare sowie Segmente der Zahnradzahnung zu sichern, bevor das übrige Material dem Schrotthändler übergeben wurde. Die Stadtverwaltung diskutiert, aus diesen geretteten Teilen ein würdiges Denkmal zu schaffen — ein stilles Zeugnis für die Eisenbahngeschichte des Grenzorts Weipert.

